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Dirk Schröder im Gespräch mit Wolfgang Peham über Wildnispädagogik
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Was ist mit einem "Sitzplatz" gemeint?

Der Sitzplatz oder auch "Geheimer Platz" ist ein Ort, an dem du gern bist und die Natur um dich herum erleben kannst. Es ist ein Platz, den du regelmäßig aufsuchst um dort für einige Zeit zu verweilen, dich zu entspannen und das Leben bzw. die Veränderung dort beobachtest. Es ist ein Platz, der dir immer vertrauter wird und an dem du zur Ruhe kommst. Es ist ein Platz der dich viel über die Natur um dich herum lehren wird. 

Neugierig?

Dann geh doch gleich vor die Türe und schau dich um, ob dich ein Platz "ruft" um dort zu verweilen - ein Baum, ein Teich, ein Bach, eine Wiese, eine Lichtung. Manchmal kann es auch ein Platz im Vorgarten sein oder einfach dein Balkon sein!

Kriterien für den Sitzplatz:

  • Sicher und bequem soll er sein. Du sollst dich dort wohlfühlen. Das ist sehr wichtig! 
  • Es ist auch gut, wenn du an deinem Sitzplatz nicht immer wieder angesprochen wirst, also er solle etwas abseits vom großen Trubel liegen.
  • Er sollte 24 Stunden und 7 Tage die Woche erreichbar sein.
  • Auch zu allen Jahreszeiten, also kein Überschwemmungsgebiet oder so.
  • Er kann dein Balkon, dein Garten sein. Schön ist es natürlich, wenn er in einem größeren Bereich liegt, der halbwegs geschützt ist, so dass du da möglichst viel Ruhe hast und er eine für deine Gegend optimale Artenvielfalt bietet – aber nur so gut es geht!!! 
  • Wenn irgendeine Art von Gewässer (Fluss, Bach, Kanal, Tümpel, o.ä.) im näheren Umkreis deines Sitzplatzes ist, dann ist die Artenvielfalt besonders groß.
  • Versuche einen Platz zu finden, der nicht weiter als 200 Schritte von deiner Haustür entfernt ist, auch wenn es nur beim nächsten Komposthaufen ist. So wirst du bei dir einheimisch.
  • Wenn du dann einmal in der Woche zusätzlich in ein Gebiet gehst, dass mehr von den obigen Bedingungen erfüllt und dort länger bleibst, dann ist es optimal. Auf einer Landkarte im kleinsten Maßstab findet man manchmal die interessantesten Plätze in der eigenen Umgebung.

 

 

Unter "Geschichten vom Sitzplatz" kannst du deine schönste Erfahrung kurz beschreiben und damit andere motivieren auch in die Natur zu gehen um dort spannende Dinge zu erleben.






Kommentare (7)

  1. Veronika am 19.10.2017
    Es ist Spätsommer. Ich bin auf dem Weg zu meinem Sitzplatz auf einem kleinen Trampelpfad durch den naheliegenden Wald unterwegs. Ich denke noch 'ah, hier wohnen viele Buntspechte' & schwenke mit meinem Blick in die Baumwipfel. Genau in diesem Moment zieht ein schwarzer, recht großer Vogel über mich hinweg & landet ein paar Meter weiter an einem 'abgestorbenen' Baumstamm neben dem Weg - ein Schwarzspechtmännchen mit feuerrotem Irokesen. Ich erstarre.. Er blickt um sich, aber bemerkt mich nicht. Er beginnt ins Holz zu meiseln, vermutlich auf der Suche nach Nahrung. Holzspäne fallen zu Boden. Er unterbricht sein Klopfen immer wieder um Ausschau zu halten. In Zeitlupe versuche ich immer näher an ihn heranzutreten, erstarre immer wieder & verharre. Mein Blick geht am Specht vorbei in die "Leere" - bloß nicht auf mich aufmerksam machen! Aus 10 Metern Entfernung werden fünf.. vier.. drei.. Der Specht hüpft auf gerade mal 4 bis 5 Metern Höhe am Baumstamm hin & her - er ist gut beschäftigt, aber auch sehr aufmerksam o.O
    Eine Schrecksekunde: er hat mich bemerkt & fliegt flatternd, doch recht geradlinig 20 bis 30 Meter weg & setzt sich an einen anderen Baum, blickt mich an - ich blicke zurück. Ich hebe vorsichtig meine Hand zum Gruß, verabschiede mich. Als ich meinen Weg fortsetze, fliegt er davon.
  2. Jonas am 18.10.2017
    Mein Erlebnis Juni 2017.
    Ich war draußen unterwegs und habe die Nacht im Freien verbracht. Als ich am nächsten Morgen den Kocher angemacht und mir einen Kaffee koche, höre ich über mir ein lautes knacksen. Ich schau hoch und 5m über mir hängt ein Eichhörnchen ganz am Rand eines dünnen Astes. Es scheint nicht mehr vor und zurück zu kommen und der Ast biegt sich immer weiter, dass es fast bis den Boden reicht und jetzt nur noch 1-2m vor meinem Lager ist. Kurz bevor der Ast bricht dreht sich das Tier um und hangelt kopfüber den Ast hinauf und schafft es, sicheren Halt zu bekommen.
    Tolles Erlebnis, bei dem ich dem Hörnchen unerwartet, ohne etwas zu tun sehr nahe gekommen bin. An diesem Morgen war mein Lagerplatz mein Sitzplatz an dem ich mit der Natur in Verbindung getreten bin.
  3. Mirijam am 17.09.2017
    Aufham, den 28.5.17 - FEUER... ich bin Liebe
    Ich sitze am frühen Morgen in der Nähe unserer Feuerstelle. Die Glut zieht meine Aufmerksamkeit an, magisch machte ich mich daran, das Feuer mit dem gestrigen Feuereisen-stein Funken eines 9 jährigen Mädchens erneut zu entfachen. Ich setzte mich zurück an meinen Platz, meine Wurzeln finden Verbindung zum Feuer, ich werde zu Feuer. So viele Fragen purzelten mir durch den Kopf.
    Ich bin Feuer! Nur wenn ich brenne, kann ich in Verbindung sein, kann ich schenken, kann ich empfangen, lebe ich, bin ich. Was ist mein Futter??? Wo sind meine Grenzen??? – Worte wie Zuwendung, Präsenz, Achtsamkeit, Stetigkeit kamen. Die LIEBE, zu mir, zu Allem – das ist mein Futter. Dankbarkeit, Freude, Demut – es war ein kraftvoller, zarter Tanz voller Licht. Wortloses Glück.
  4. Franziska am 10.09.2017
    Karsamstag. Ich gehe auf dem Waldweg zu der Stelle, an der ich den Weg verlassen muss, um zu meinem Sitzplatz zu gelangen und merke, dass die Wärme der letzten Tage die Pflanzen ungeheuer hat wachsen lassen. Der Weg zu meinem Sitzplatz und auch mein Sitzplatz selbst ist über und über mit kniehohen Gräsern, Brennnesseln, und vielen anderen Kräutern bedeckt.
    Ich stehe am Weg, schaue zu den Lärchen an meinem Sitzplatz und bin unschlüssig. In den letzten Tagen habe ich mich mit Zecken beschäftigt und die sind dort bestimmt überall... Bei dem Gedanken juckt es mich schon. Ich schaue mir lieber zuerst die jungen Blätter an, die aus den Knospen der vielen Bäume und Sträucher am Weg sprießen. In einer einzigen Knospen sind gleich mehrere Blätter drin! Und bei einem Ahorn sind sie sogar rot und nicht grün! Ich bin total vertieft in diese kleinen Wunder.
    Da bemerke ich im rechten Augenwinkel eine Bewegung. In Zeitlupe drehe ich meinen Kopf ein wenig nach rechts. Ein Feldhase kommt direkt auf mich zu – in einem Affenzahn. Wann bemerkt er mich wohl? Und was wird er dann machen? Ich bleibe ganz still stehen und beobachte was passiert. Der Hase kommt im Zick-zack-Kurs immer näher und scheint noch immer keine Notiz von mir zu nehmen. Er ist nur noch eineinhalb Meter weit weg und steuert genau auf mich zu. Da hält er auf einmal inne und schaut auf. Wir betrachten uns gegenseitig. Er hat ein schönes, glattes, hellbraunes Fell und große braune Augen. Seine langen Ohren sind ganz aufmerksam und so nah ist er überraschend groß. Bestimmt eine Minute mustern wir uns. Dann macht er kehrt und verschwindet in dem Grün, vor dem es mir noch von ein paar Minuten gegraut hat. Wenn der Feldhase sich dorthinein traut, dann wage ich es jetzt auch...
  5. Franke am 25.06.2017
    Ein Erlebnis an meinem Sitzplatz im Frühjahr 2017
    Ich sitze. Merke, wie meine Wahrnehmung sich vom Sehen zum Hören verschiebt. Es ist Frühjahr, die Vögel zwitschern seit einigen Wochen. Sie drücken Leben in einer Form und Intensität aus, die ich erst anfange, zu entdecken.
    Ein immer wiederkehrender Laut fängt an sich abzuheben aus dem Gezwitscher um mich herum. Fiep, fiep, fiep, fiep. Durchdringend und penetrant. Diesen Ruf kenne ich nicht. Ich stehe auf, folge dem anhaltenden Rufen langsam, stehe vor dem abgestorbenen Baum am Weiher, schaue hinauf. Es kommt von da oben. Das müssen Jungvögel sein. Ich entdecke ein Loch im Stamm! Eine Spechthöhle! Dann sogar: Ein Kopf lugt aus dem Loch. Und dann: Ein erwachsener Specht kommt angeflogen, landet außen am Stamm. Das unermüdliche Gefiepse wird noch unermüdlicher, lauter, erregter, als die Jungen den Erwachsenen kommen hören. Ich bin baff. Ein Buntspecht zieht seine Jungen groß, keine 50 Meter von unserem Haus entfernt.
  6. Margit am 19.06.2017
    Habe von meinem Sitzplatz aus ein Rehkitz gesehen, das im strömenden Regen in der Wiese jämmerlich nach seiner Mutter gerufen hat. Endlich kam die Mutter, nach einigen Stunden, und hat das Kitz gesäugt und schließlich in den Wald mitgenommen. Ein wunderschönes Bild. Wichtig, dass man der Natur vertraut und das Kitz nicht anfasst. Rehmütter legen ihre Kinder häufig ab, durch den fehlenden Eigengeruch sind sie nicht so leicht Beute für Raubtiere.
  7. Sandra am 02.06.2017
    Ich möchte gerne 2 kleine Erfahrungen teilen. Mein Sitzplatz ist in unserem wilden Eck im Garten, wo (fast) alles wuchern darf und meine Kinder haben dort ein Dorf für die "kleinen "Leute angelegt, mit Spielplatz aus Sand. Als im Mai nach den kalten Tagen die ersten warmen Sonnenstrahlen durchkamen beobachtete ich wie gerade auf diesem Sandhügel, den die Sonne wahrscheinlich schon ein bißchen aufgewärmt hatte ständig Insekten waren. Sie landeten, wärmten sich auf und flogen wieder weiter. Es war wie ein kleiner Flugplatz.
    Ein andermal beobachtete ich eine Winde. Ich hatte mich schon öfter gefragt wie es diese Pflanzen schaffen sich so an anderen Pflanzen oder Dingen emporzuranken (selbst an Löwenzahn). An diesem Tag ging ein bißchen Wind und die Winde schaukelte darin und während ich sie beobachtete konnte ich richtig fühlen wie sie sich auch mit Hilfe des Windes aber auch mit aller eigenen Kraft streckte und streckte um wieder den nächsthöheren Busch zu erreichen. Ich konnte diese Kraft des "Streckens" richtig spüren und empfand Respekt vor dieser kleinen aber auch so starken Pflanze.

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